Einführung in "Spieltechnik und Sprache"
©
2002
by
Indische Tabla-Schule, Peter
Huber
Die Dayan wird für Rechtshänder rechts gespielt, die Bayan
links. Für den Linkshänder ergeben sich keinerlei Nachteile; die Trommeln
können einfach umgekehrt werden - die Rechte links, die Linke rechts.
Die Spieltechniken der Tabla entstehen durch die Anschläge mit den Fingern
und den Händen. Während die Anschlagtechniken der Dayan immer mit
den flachen Händen und Fingern gespielt werden, unterstützten die der
Bayan zusätzlich den Gebrauch der Fingerkuppen. Die räsonierenden
Klänge die daraus entstehen können dann durch Druck der Handballe auf das
Fell zusätzliche Klangmodulationen erzeugt werden.
Jeder Anschlag – ohne Ausnahme, besitzt eine Trommelsilbe, diese werden „Bol“
(lit.: Wort) genannt. Bol bzw. Bolas dienen als
Gedächtnisstütze, um dem Tabla-Spieler das Auswendiglernen von
Schlagreihenfolgen und Kompositionen zu vereinfachen. Unter anderem können
diese auch „mnemotechnische Silben" (gedächtnisstützende Silben) genannt
werden.
Das rhythmische Rezitieren und Memorieren der Schlagmuster und Komposition
anhand der Bolas gelten als grundlegende Voraussetzung für die Beherrschung
und das Verständnis dieses Instruments. Diese Art des Auswendiglernens
ermöglichte übrigens bis heute die mündliche Tradierung von
Tabla-Kompositionen.
Die so genannten Bolas imitieren die Klänge der Tabla und
können somit absolut synchron übereinander gespielt bzw. gesprochen
werden. Keine andere Trommelkunst besitzt eine so hoch entwickelte und ausgereifte Trommelsprache wie die
des Tabla.
Für das Spiel an den Tabla sind sieben Grundklänge bekannt; fünf für die
Dayan und zwei für Bayan:
|
D A Y A N |
räsonierend |
nicht-räsonierend |
| |
TA |
TI
(TE) |
| |
TIN |
DI
(RE) |
| |
TU |
--- |
|
B A Y A N |
räsonierend |
nicht-räsonierend |
|
|
GHE |
KE |
Kombiniert man diese nun miteinander, so dass Dayan und Bayan gleichzeitig
klingen und berücksichtigt man Khula (offenes Spiel) bzw. Bandh
(geschlossenes Spiel) ergibt sich eine
reiche Palette an
möglichen Klängen.
Nimmt man zusätzlich die Bayan-Modulation (verändern der Tonhöhe) und die
Meend-Techniken (gleiten) des Bayan-Spiels hinzu ergibt
sich
schnell eine
unüberschaubare grosse
Anzahl
an Klängen
– die Eigenschaften und Subtilitäten der verschiedenen Tabla-Gharanas
(Tabla-Traditionen) noch nicht einmal eingerechnet.