Geschichte der Punjab-Gharana
© 2002 by Indische Tabla-Schule,
Peter Huber
Die
Punjab-Gharana entwickelte sich wahrscheinlich aus dem Pakhawaj-Spiel. Fakir Baksh
ein Vertreter dieser Gharana, und Lehrer von Miyan Malanga und des berühmten
Firoz Khan von Lahore, galt als besonders erfinderisch in der Umsetzung der
Spieltechniken an den Tabla. Es wird gesagt, dass er eine Vorliebe hatte,
offene (Khula) Phrasenmuster der Pakhawaj und der Tabla als
geschlossene (Bandh) zu spielen. Fakir Baksh entwickelte dadurch seinen
ganz persönlichen Stil, der viele Merkmale des Pakhawaj-Spiels aufweisen soll.
Sein Sohn Kader Baksh folgte den Spuren seines Vaters und verfeinerte dessen
Spiel, er galt als würdiger Nachfolger und Khalifa des Punjab-Gharana.
Ein weiterer bemerkenswerter Vertreter dieser Tradition war Ustad Malen
Khan, dessen Kompositionen zu einem grossen Teil im Deepchandi-Ang
(7er-Teilung einer Matra) komponiert wurden, bleiben heute einen festen
Bestandteil in einem Punjabi-Repertoire. Der heutzutage bekannteste
Schüler von Kader Baksh dürfte Alla Rakha (1919 - 2001) gewesen sein.
Als Merkmal der Punjabi-Stil fällt besonders der Einfluss der Punjabi-Sprache
und dessen Temperament auf, diese sind eng miteinander verbunden. Zu den
wichtigen Kompositionsformen dieses Stils gelten vor allem die Punjabi-Gat
und -Chakradar, diese beinhalten meistens einen recht ausgewogenen
Mischung aus Tabla- und Pakhawaj-Klängen. Der Punjabi-Stil gilt als
reichhaltig an Klang- und Rhythmusmustern und dürfte zu den komplexesten
Stilen der Tabla-Traditionen zählen. Als traditionelle Zentren des Punjab
galten vorwiegend die Städte Lahore und Amritsar.