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P r e s s e i n
f o r m a t i o n e n
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| Datum: | Januar 1996 |
| Publikation: | Bieler Tagblatt |
| Redaktor: | Charles Martin |
In jüngster Zeit ist vielleicht dem einen oder anderen aufmerksamen
Zeitungsleser ein Inserat mit dem einfachen Titel „Tabla-Schnupperlektionen
auf einem der klangvollsten Trommelpaare der Welt“ aufgefallen. Doch greifen
wir nicht allzu weit vor.
Begeben wir uns zunächst einmal an die Aarbergstrasse in Lyss. Wenn man an dem
verwitterten Haus vorbeigeht und zwischen Garten und Mauer den leicht
verborgenen Eingang gefunden hat, gelangt man über eine Holztreppe, in die
zweite Etage, und von dort in eine kleine geschmackvoll eingerichtete Wohnung.
Hier lebt Peter Huber. Aber nicht nur wohnen tut er hier. In einem kleinen,
mit weichen Teppichen ausgelegten Raum, hat sich der professionelle Musiker
seine eigene Tabla-Schule eingerichtet, die einzige öffentliche Schule dieser
Art in der Schweiz überhaupt.
Tabla, das sind zwei separate Trommeln, (Bayan – übersetzt die Linke) ist aus
Kupfer oder Messing gefertigt, während der rechte, kleinere Klangkörper (Dayan
– die Rechte) aus einem tropischen Hartholz besteht. Diese Trommeln werden mit
einem Fell satt bespannt, in dessen ungefährer Mitte sich die Shyahi befindet.
Die Shyahi, eine aus feinstem Metallstaub mit Reis (als Kleber) vermischte und
in bis zu 30 hauchdünnen Schichten mühevoll aufgetragene Membrane, und die
differenzierte Möglichkeit des Stimmens sowie eine erstaunliche
Klangvielfalt verleihen dem Rhythmusinstrument seine Einzigartigkeit.
“Tabla bietet unerschöpfliche Kompositionsmöglichkeiten. Dank der rhythmisch
perfekten Silbenbenennung jedes einzelnen Tones ist es möglich, ein
Klangmuster oder eine Komposition aufzuschreiben und jederzeit in Erinnerung
zu rufen“, erklärt Huber dazu.
Begonnen hat Hubers Faszination für dieses fremdländische Instrument während
seiner Lehrzeit als Musikinstrumenten-Verkäufer im Musikhaus Bestgen. „Bei
Bestgen gab es bereits einige indische Instrumente. Nach Abschluss seiner
Lehre hat er dann Indien und Nepal mehrere Monate lang bereist. Bei seinem
zweiten Indienaufenthalt begann er mit seiner Tabla-Ausbildung bei
professionellen indischen Lehrern. Schliesslich fand er seinen Tabla-Meister,
den er, wenn möglich, jährlich während ein- bis eineinhalb Monate für die
persönliche Weiterbildung besucht.
Ausserdem nutzt er auch gleich die Möglichkeit , an Ort und Stelle, geeignete,
qualitativ hochstehende Tabla für den Import in die Schweiz einzukaufen. „Für
meine Schüler ist mir nur das Beste gut genug“, sagt der professionelle
Musiker überzeugt. Danach bearbeitet er dann auf Wunsch der Käufer die
Instrumente.
Die Tabla zum Klingen zu bringen, das ist eine Sache, die Huber selbst
meisterhaft beherrscht.
Tabla bedeutet übersetzt: „etwas (Ta) spricht (bla)“. Wenn der
Vollblutmusiker, am Boden sitzend, seine Hände mal sanft, beinahe zärtlich,
dann wieder mit harten, kurzen Folgen über die gespannte Oberfläche trommeln
und schlagen lässt, vermeint man selbst als laienhafter Zuhörer, etwas von der
fremdländischen Kultur mitzuempfinden. „Tabla“, erklärt Huber, „beruht auf der
klassischen Musikkunst und verlangt nebst ausserordentlicher Fingerfertigkeit
Feingefühl und Konzentration“.
Die Freude an seiner Arbeit steht ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben.
Seine offene Wesensart und sein fröhliches Lachen sind ansteckend. Darauf
angesprochen, erwidert er: „Es gibt’s natürlich schon,, dass ich einen
schlechten Tag habe, ich bin auch nur ein Mensch mit unterschiedlichen
Stimmungen“. Diese Stimmungen wiederum setzt Huber im Tabla-Spiel
facettenreich um, denn viele Stücke sind sehr poetisch und Ausdruck inneren
Erlebens.
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| Datum: | Oktober 1998 |
| Publikation: | Der Bund |
| Beitrag: | Weltmusik |
| Redaktor: | Thomas Burkhalter |
Die Tabla ist eigentlich ein Trommelpaar. Jede der zwei Kesseltrommeln wird
mit einer Hand gespielt. Der Musiker spielt entweder mit der Handfläche, mit
dem Handgelenk, mit einem oder zwei ausgestreckten Fingern oder auch mit den
Fingerkuppen auf den Rand, auf das Fell oder genau auf einen schwarzen
Punkt in der Mitte des Fells. Aus diesen möglichen Anschlagarten ergeben sich
unzählige Spielmöglichkeiten. Kein Wunder zählt das Tabla-Spiel zu den
schwierigsten und ausgereiftesten Trommelkünsten überhaupt. Neben komplexesten
Rhythmen lassen sich auf der Tabla subtilste Tonhöhenunterschiede darstellen
so dass ihr Spiel, immer auch eine melodische Komponente hat. Da die
schwierigen Rhythmen mit so genannten mnemotechnischen Silben erlernt werden
ist ein guter Tabla-Spieler in der Lage, lange verwickelte Kompositionen
auswendig zu spielen und weiterzugeben.
1000 Schläge pro Minute
Ein Könner ist fähig, alle menschlichen Gefühle auszudrücken, durch äusserste
Konzentration schafft er achthundert und mehr Anschläge pro Minute . Aus der
indischen Musik ist das Trommelpaar nicht mehr wegzudenken; es wird in den
meisten Musikrichtungen Nord- und Südindiens verwendet. In der klassischen und
halbklassischen Musik Kunstmusik (Khayal, Thumri, Ghazal), in der Begleitung
der Kathaktänze und in der religiösen Volksmusik, , sowohl in der
hinduistischen als auch in der islamischen. Dank ihrer enormen Vielseitigkeit
haben die Trommeln selbst den Anschluss an neuere Musikentwicklungen nie
verpasst. Im Jazz ist sie schon seit langem kein unbekanntes Instrument mehr
und auch in neusten Spielrichtungen der elektronischen Musik hat sie
inzwischen Unterschlupf gefunden.
Nicht unumstritten
Zakir Hussain, der seine neuste CD "Essence of Rhythm" benannt hat - so
als wolle er sich gleich selber in den Trommel-Olymp befördern, wird in Europa
als einer der grössten Tabla-Virtuosen bejubelt. In Indien aber, sind er und
viele andere Tabla-Spieler (z.B. Trilok Gurtu), die wir hierzulande im
CD-Regal finden, höchst umstritten, da sie kaum mehr traditionelle
Kompositionen, sondern eher eine westlich orientiert Perkussion spielen.
Peter Huber, Leiter der Tabla-Schule in Lyss und Zürich, spricht von einem
neuen California-Style, der kaum mehr mit der grossen Trommeltradition Indiens
und den seit Beginn des 19. Jahrhunderts rivalisierenden Tablaschulen -
jede mit ihrem Stil, ihren Kompositionen und ihren eigenen
Improvisationstechniken konkurrenzieren könne. Hussains Trommelkunst sei bloss
eine kleine Auswahl aus den unzähligen Spielmöglichkeiten dieser Trommel.
Nichtsdestotrotz verhilft Zakir Hussain mit seinen Konzerten in der ganzen Welt
und kulturübergreifenden Projekten mit japanischen und afrikanischen
Trommlern der Tabla zu einem grossen Bekanntheitsgrad und fördert Interesse
und Verständnis für diese hoch entwickelte Kunstform. Um so wichtiger scheint
diese Tatsache, als die qualitativ hochstehende Tabla-Kunst heute vom
Aussterben bedroht ist. Kaum ein Musiker findet mehr die Zeit, wie früher an
den Höfen der Moghulkaiser bei Meistern zu lernen und das Leben ganz der Kunst
zu widmen.
Schulen in Indien und der ganzen Welt versuchen verflachenden Tendenzen
entgegenzuwirken. In der Schweiz bietet die Tabla-Schule in Lyss und Zürich fundierten
Tabla-Unterricht an.
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Peter Huber: Der Schweizer und sein Guru
| Datum: | 2001 |
| Publikation: | Berner Almanach Band 4 Musik, Stämpfli Verlag AG Bern |
| Beitrag: | Musik im Schatten ihrer Herkunft |
| Redaktor: | Thomas Burkhalter |
Es wird Zeit, den Spiess umzudrehen. Kann es ein Schweizer zur Meisterschaft
in indischer Trommelkunst bringen? Peter Huber lebt in Lyss, leitet dort
und in Zürich eine indische Tablaschule und reist seit Jahren regelmässig nach
Bombay, um bei seinem Tabla-Meister zu lernen. Wie ist Peter Huber zu Tabla gekommen ?
”Alles war eigentlich Zufall. Ich war Elektriker, arbeitete danach in einem
Musikgeschäft und spielte als Gag mit einer indischen Sitar auf Berns
Strassen. Aus Interesse ging ich nach Indien, lernte Hindi und bei Pandit
Shivanath Mishra, Professor an der Sanskrit Universität in Varanasi, Sitar.
Tabla, das wäre was, dachte ich eines Tages, von da ging vieles von alleine:
Alles wollte ich über das indische Trommelpaar wissen, und wurde von Lehrer zu
Lehrer verwiesen - vielleicht, weil ich ein Weisser war, aber nicht ins
Bild passte, die im Westen lernen das sowieso nie."
Ende der Achtzigerjahre traf Peter Huber in Bombay auf Pandit Arvind Mulgaonkar, ein begnadeter
Tabla-Virtuose und Lehrer aus der Stilschule Farrukhabad, eine der fünf
anerkannten Tablaschulen (Gharanas) Indiens. Pandit Mulgaonkar
nahm Peter Huber als Schüler auf: ”Ein Wunsch ging für mich in Erfüllung. Ich
genoss Unterricht bei einem Meister, der bei den angesehensten Tablaspielern
der Farrukhabad-Gharana gelernt hatte: bei Ustad Amir Hussain Khan und Ustad
Ahmedjan Thirakwa, die Schüler des legendären Ustad Munir Khan waren. ‚Ich
komme wieder, ok?‘ sagte ich am Ende meines Aufenthaltes zu Mulgaonkar. Bis heute besuche ich ihn fast jedes Jahr
und lerne von
ihm.”
Eine schöne Geschichte. Aber was bedeutet sie? Ist Peter Huber tatsächlich
akzeptiert? Machen indische Gurus (= Lehrer) nicht einfach ein gutes Geschäft
mit den Westlern?
”Diesen Eindruck hatte ich nie. Mulgaonkar lehrt mich stets kostbare
Kompositionen; und er verheimlicht mir die Tricks nicht, die es braucht, um
Tabla im Highspeed zu spielen. Meine Hautfarbe spielt keine Rolle. Was zählt,
ist ob ich meinen Lehrer überzeugen und mit meinen Mitschülern mithalten kann.
Peter Huber spielt hervorragend Tabla. Warum tritt er so selten öffentlich
auf? "Ich bin glücklich mit meiner Tablaschule, mich interessiert das
Instrument, ich will seine Tradition möglichst authentisch vermitteln. Ich
weiss was ich kann und was nicht; ich möchte mich nicht ärgern, wenn ich keine
tausendzweihundert Schläge pro
Minute schaffe.”
Momentan bildet sich der Vater einer zweijährigen Tochter zum PC/LAN-Supporter weiter, ein Bildungsweg der vollkommen schräg zur Vorstellung stehe, die man von einem Tablaspieler hat, wie Huber betont: ”Indische Musik gleich Drogen, Hippies und Gurus, meinen viele Leute. Ein Beispiel: Eine Mutter ruft mich an, ihr 9-jähriger Sohn habe das Marschtrommeln in Uniform satt, er möchte Tabla lernen. Ich sagte zu. Am Abend ruft die Mutter erneut an: Der Sohn komme nicht, der Vater sei dagegen - von wegen Drogen, Guru, Hippie. Schade. Oder: Indien gleich Esoterik. "Muss ich einen bestimmten Glauben annehmen, wenn ich zu Ihnen in die Stunde komme?", fragt mich jemand. Unglaublich. Tabla hat doch nichts mit Religion zu tun. Tabla-Spielen ist kompliziert. Alle Sinne müssen offen sein. Je wacher, umso besser. Alles auf, nichts zu."
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