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F a r r u k h a b a d - G h a r a n a
( L a l i y a n a )
Der vorliegende Bericht wurde von Pandit Arvind Mulgaonkar
für das Programmheft zur " Eighteenth Anniversary for Ustad Amir Hussain Khan "
im Jahre 1987 geschrieben. Übersetzt in die deutsche Sprache von Peter Huber.
D i e E s s e n z d e s
O s t e n s
Der legendäre Tabla-Meister Ustad Ahmedjan Thirakwa machte
einmal die Bemerkung, "....Yeh ....Yeh .... Farrukhabad jo hai! ...." In seiner
Ergebenheit für die Kunst des Tabla-Spiels; das Training, dass er von seinem
meist respektierten Lehrer Ustad Munir Khan erhielt, teilte er die Tradition der
Tabla-Schulen. Er meinte damit, dass die Lucknow-Schule, die man allgemein als
"Purab" (östlich) bezeichnet, einen Schritt vorwärts von der herkömmlichen
Schule, der Delhi-Tradition verstehen werden sollte. Die Lucknow-Schule versuchte
anfänglich die goldene Mitte zwischen "Bandh" (geschlossenem) und "Khula"
(offenem) Spiel bzw. Stil zu finden.
Wie dem auch sei, Ustad Haji Vilayat Ali Khan, Gründer des
Farrukhabad-Schule und sein Sohn und Nachfolger Ustad Hussain Ali Khan und
besonders auch Ustad Munir Khan gelang es dieses Ziel zu erreichen. Daher
bezeichnete Ustad Ahmedjan Thirakwa dies als "Purab kaa itra" - die Essenz des
Ostens.
Farrukhabad ist die einzige Schule, die jeden Anschlag an den Tabla nutzt,
angesichts der "Dayan" (rechte Trommel) wie auch der "Bayan" (linke Trommel) -
wie mit geschlossenen als auch mit offenen Händen und Fingern. Dieser Stil
beinhaltet Spielraum für "Meend" (Gleiten) im Spiel der Bayan und betont
im Spiel der Dayan "Jarb"
(Anschläge) an "Sur" und "Shyahi".
Dieser Stil ist reich an kostbaren und edlen Kompositionen
von den grossen Ustad's wie: Haji Vilayat Ali Khan, Nissar Ali Khan, Hussain Ali Khan, Miyan
Choudiyawale Imam Buksh, Nissar Ali Khan alias Modhu Khan, Miyan Tilanga, Miyan
Salari Khan, Munir Khan, Amir Hussain Khan usw. ........
Der Farrukhabad-Stil gilt als sehr klangvoll und komplex in rhythmischen
Kompositionen wie: "Fard-Gats", "Barabari-Gats", "Anaghat-Gats" und den
verschiedenen Typen von "Rela" und "Chalan". Komponiert von diesen grossen
Meistern beweisen diese den Reichtum dieser Tradition.
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Ustad Munir Khan
Ustad
Munir Khan, das grosse Tabla-Genie des vergangenen Jahrhunderts wurde im
Jahre 1863 im Dorf "Laliyana" im Gebiet "Meerut" in Nord-Indien geboren.
Er erhielt sehr früh unterricht von seinem Vater, der selbst ein guter
"Tabla-Nawaz" seiner Zeit war. danach lernte er von nahezu vierundzwanzig
Meistern verschiedensten Ghranas - von Farrukhabad, Delhi, Lucknow, Ajrada, Punjab
usw. Ausserdem galt er als Lieblingsschüler von Ustad Boli Buksh von der
Delhi-Gharana und von Ustad Hussain Ali Khan, dem Sohn von Haji Vilayat von
Farrukhabad.
Man sagt; Munir Khan erhielt nahezu das gesamte Wissen von allen grossen
Komponisten der Tabla-Kunst jener Zeit. Ustad Munir Khan galt als
hochkultivierter und sehr aufgeschlossener Tabla-Spieler. Er verband die
besten Elemente der Tabla-Stile verschiedener Schulen und entwickelte
Spieltechniken die das volle Tonpotential der Dayan, wie auch der Bayan
nutzten. Er sammelte zudem von verschiedensten Quellen einfallsreiche und
schöpferische Kompositionen von den Tabla-Meistern der Vergangenheit.
Ustad Munir Khan verbreitete diese Kunst unter den Liebhabern der Musik, und
lehrte hunderte von Schüler im ganzen Land. Um nur einige zu nennen: Ustad
Amir Hussain Khan, Ustad Ahmedjan Thirakwa, Ustad Habibuddin Khan of Ajrada,
Ustad Ghulam Hussain Khan, Ustad Nazir Khan of Panipat, Ustad Shamsuddin
Khan, Ustad Nissar Hussain Khan usw. ....
Ustad Munir Khan starb im Jahre 1938 im Alter von fünfundsiebzig Jahren, er
hinterliess eine grossen Anzahl Schüler, die diese Tradition aus der Ustad
Munir Khan stammte weiter tragen werden. Doch, man sagt: nach seinem Tod wurde
nie mehr ein so technisch erstaunliches Tabla-Spiel gehört.
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| Ustad Amir Hussain Khan
Als
Ustad Amir Hussain Khan im Jahre 1969 starb, wurde er bereits bei den
"Feinschmeckern" der indischen klassischen Musik als der perfekteste
Tabla-Spieler seiner Zeit gutgeheissen. Diese Perfektion war Teil des
Höhepunkts des "Purab-Baj" (östliche Griffart), besonders der
Farrukhabad-Gharana, welches Amir Hussain Khans Erbe war.
Ustad Amir Hussain Khan wurde im Dorf "Bhankande" im Gebiet "Meerut", im
Jahre 1895 geboren. Er lernte Tabla unter Ustad Munir Khans Aufsicht,
welcher sein Onkel mütterlicherseits war.
Ustad Amir Hussain Khan wurde der folgende "Khalifa" (Führer) der
Farrukhabad-Tradition. Zu diesem Reichtum führte es selbst zusätzliche
ästhetische Qualitäten und wertvolle Subtilitäten hinzu.
Ein unorthodoxer Spieler, er war Linkshänder - er spielte die "Dayan" (die
Rechte) links bzw. die "Bayan" (die Linke) rechts. Wahrscheinlich werden nur
ganz wenige irgendwann diese schwer kontrollierbaren Effekte seines
Bayan-Spiels je meistern können. Seine einwandfreie Beherrschung über
rhythmische Improvisationen machte sein Spiel einzigartig.
Sein Kollege und "Gurubhai" (Mitschüler) Ustad Habibuddin Khan, Khalifa der
Ajrada-Tradition machte ihm Komplimente an einer "Mehfil" Veranstaltung. Er
sagte: "Aus dem Gebiet "Meerut" sind soweit eine grosse Anzahl edle
Diamanten in dieser Welt der Perkussions-Musik hervorgegangen - aber Ustad
Amir Hussain Khan sei der "KOOH-I-NOOR" (der wertvollste Diamant der Welt)
unter den Tabla-Spielern.
Unter anderem gibt es eine falsche Meinung unter den Musikliebhabern,
nämlich die, das Amir Hussain Khan ein ausgesprochener Solist. Dies ist eine
absolut falsche Meinung, denn er begleitete einige Sänger als auch
Instrumentalisten seiner Zeit. Obwohl er die rhythmischen Strukturen,
Phrasen und Sprache bei weitem übertraf.
Er war der standhaften Meinung, dass die Begleitung am Tabla eine "blosse"
rhythmische Unterstützung oder eine "angenehme" Unterhaltung "Sukh-Samvad"
zwischen dem Solisten und dem Begleiter sei. Der Begleiter hätte es
ausserdem zu unterlassen, seine Geschicklichkeit und sein Wissen zu zeigen,
da es die Aufmerksamkeit des Solisten ablenkt. Der Sänger oder
Instrumentalist habe sich auf "Sur" (Melodie) und "Tal" (Rhythmus) und
gleichzeitig auf die vorgetragene Improvisation zu konzentrieren.
Wie dem auch sei, er war nicht der Meinung, dass dem Tabla-Begleiter die
gleichen Prioritäten zustehen wie dem Hauptsolisten. Er fand, dass dies
nicht üblich war in der indischen klassischen Musik. Er versuchte vergeblich
die Tabla-Spieler in diesem Fall zu überzeugen. Das Resultat war, dass er in
späteren Jahren begleitende Tabla-Spieler in ihrem Spiel unterbrach.
Ustad Amir Hussain Khan war ein bescheidener Mann, obwohl sein Name unter
die grossen Tabla-Spieler der Zeit einging. Er hinterliess eine grosse
Anzahl Schüler, wie auch seinen Sohn, Ustad Fakir Hussain Khan alias "Papa
Miyan", den folgenden "Khalifa" (Führer), der Farrukhabad-Tradition.
Nennenswerte Schüler von Ustad Amir Hussain Khan sind: Sarvashree
Phandarinath Nageshkar, Arvind Mulgaonkar, Nikhil Ghosh, Sharif Ahmed,
Cheena Mumtaz, Babasaheb Mirajkar, Iqbal Hussain, Shripad Nageshkar,
Parundarang Salunke und verschiedene andere. Wohnhaft in Bombay
popularisierte er seine Tradition in solchem Ausmass, dass heute die meisten
Tabla-Solisten, inbegriffen Farrukhabad-Kompositionen, etwas von ihm
vortragen.
Im Alter von 70 Jahren wurde sein Spiel weicher und reifer denn je, die
technische Meisterung und die Männlichkeit seines Spiels faszinierten vor
allem auch junge Leute. Seine Kunst auf kreative Überraschungen zu springen
und seine glänzenden Kompositionen werden noch lange in Erinnerung bleiben.
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Ustad Fakir Hussain
Khan
Ustad Fakir
Hussain Khan, alias Papa Miyan wurde im Jahre 1934 geboren und war der
einzige Sohn von Ustad Amir Hussain Khan.
Er galt als überaus scheu in seiner Kindheit und nahm selten am Unterricht
bei seinem strikten Vater teil. Wie dem auch sein; später im Alter von
sechzehn oder siebzehn, als er sich mehr für Tabla zu interessieren begann,
war sein Vater sehr stolz ihn an Veranstaltungen präsentieren zu dürfen.
Fakir Hussain war sehr anspruchslos, aber er verdiente es, den "Khalifa"
(Führer) des berühmten Farrukhabad-Gharanas zu sein. Seit seiner Kindheit
hatte er es mit sehr reichem und komplexem Tabla zu tun. Er überragte klar
in extrem schwierigen Kompositionen, welche eben Meister nur selten
riskieren.
Fakir Hussain spielte mit grosser Gelassenheit und Klarheit - auch dann,
wenn das Tempo atemlos schnell wurde. Wie sein Vater besass er ein gewaltig
grosses Repertoire von Kompositionen auch von anderen Schulen und
Traditionen.
Unglücklicherweise waren seine finanziellen Verhältnisse immer sehr
schlecht. Angesichts dieses Problems hatte er eine grosse Familie zu stützen
- er hatte nur einen Trost - sein Tabla.
Am Spiesse der Not, versuchte er ernsthaft den Reichtum der grossartigen
Kompositionen und die darinliegende Geschicklichkeit zu bewahren.
Bis kürzlich wurde diese reiche Tradition von ihm getragen. Am 17. November
1986 starb er an einem Herzinfarkt. Dies war nicht nur ein Schlag für die
Familie, sondern auch für das Erbe der Farrukhabad-Tradition.
Er hinterliess seiner Familie Trauer und Schmerz. Mohamed Aslam, ein Sohn
von Fakir Hussain, nimmt nun Unterricht bei seinem Onkel Ustad Iqbal Hussain
Khan (Neffe von Ustad Amir Hussain Khan und übt ergeben um die respektvolle
Ehre des Khalifa von Farrukhabad zu erhalten, die er geerbt hat.
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