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Grundlagen der rhythmischen
Struktur
Einführung in "Grundlagen der rhythmischen Struktur"
© 2002 by Indische Tabla-Schule,
Peter Huber
Der indischen
Musik liegt einem sehr kunstvollen rhythmischen System
zugrunde und ist gleichzeitig, von allen existierenden Systemen bei weitem das
Komplizierteste. Die Rhythmen der indischen Musik haben ein periodisch
wiederkehrendes Grundschema mit z.B. 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12, 14, 16 .......
bis zu 108 Zähl-Einheiten.
Die rhythmischen Elemente sind alle von der Vernunft her konzipiert und lassen
sich in einem äusserst detaillierten und umfassenden System notieren. Die
Ausführung verwendet rhythmische Figuren, die oft sehr schwierig sind und eine
lange Übungszeit erfordert. Die Zeit wird in Indien seit jeher als "endloser
Kreislauf" erlebt und überliefert. Diese zyklische Zeitschau findet
ihre Entsprechung in den Tala-Perioden der indischen Kunstmusik.
Der Begriff Tala (Klatschen, Schlagen) hat im Laufe der Zeit einen
Bedeutungswandel erfahren. Während es früher ein rhythmisches Händeklatschen zu
Musik und Tanz bezeichnet haben dürfte, stand es im Laufe der Jahrhunderte für
die Tala-Perioden nur noch zur reinen Gliederung der Zeit. Tala ist das
zyklische Zeitmass der indischen Musik. Ein Tala weist eine bestimmte
methodische Ordnung verschiedener Komponenten auf, bestimmte Prinzipien und
Gesetze gelten innerhalb eines Gesamtkonzepts.
"Die Entstehung, die
Erhaltung und die Auflösung der drei Welten hat seine Ursache in Tala. Vom
Würmchen ab bewegen sich alle Lebewesen durch Tala. Alle Werke der Welt beruhen
auf Tala - nach Tala bewegen sich die Sonne und die Planeten". (Raga-Kalpa-Druma, Calcutta 1842)
Heute steht in der nordindischen Kunstmusik jedes Musikstück in einem bestimmten
Raga, bzw. Tala. In den Tala fand die indische Musik die
vollkommene Ergänzung zu den Ragas. Der Tala wird dabei vom
begleitenden Trommler gespielt, so dass der Sänger oder Instrumentalist in
diesem gegebenen Rahmen bequem improvisieren kann. Der Trommler hält dabei nicht
nur an einer einzigen Schlagfolge fest, sondern bereichert die Musik mit
zahlreichen rhythmischen und klanglichen Verzierungen. Ein festes Schema von Zeitmassen
wiederholt sich immer von neuem und reguliert so den gesamten musikalischen
Fluss.
Quantitative ist
die Dauer eines Tala-Kreises, Avartha genannt, der in Zähleinheiten gemessen wird. Diese
Zähleinheiten werden Matra (eine Einheit, Mass) genannt. Qualitative
sind die Gesamtzahl der Matra und die Verteilung von schweren und
leichten Betonungen und Akzenten.
Die Matra werden in Gruppen zusammen gefasst, diese werden
Vibhag (Teilung , Glied, Abschnitt) genannt. Ein Tala besteht somit stets aus einer oder mehrer Vibhag.
Ein schwer betonter Vibhag wird als Tali (Schlag, Handfläche) bezeichnet.
Tali werden durch das klatschen der Hände auf deren ersten Matra angedeutet.
Einen leicht betonten Vibhag bezeichnet man als Kali (leer, die Leere).
Nach der Konvention wird in der Praxis eine Kali durch die Geste einer
seitlichen Bewegung (der Handfläche) angedeutet.
Die Folge von Tali und Kali ist wichtig für die
Lokalisierung des herannahenden Sam eines Tala. Sam (zusammen,
gleichzeitig) fällt mit der ersten Matra eines Tala zusammen.
Sam ist die am stärksten betonte Zeiteinheit, - das 1 bzw. "X"
Wird Sam erreicht so stellt sich beim Zuhörer das Gefühl von
Vollständigkeit und Zufriedenheit ein. Jede Runde eines Talas von Sam zu
Sam wird als Avartha (Zyklus, Periode) bezeichnet.
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M a t r a -
V i b h a g - A v a r t h a
X
1. Betonung (SAM
bzw. SAM-Vibhag)
AVARTHA (1. bis 16. Matra)
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1. Matra |
2. Matra |
3. Matra |
4. Matra |
2 2. Betonung
(TALI bzw. TALI-Vibhag)
|
5. Matra |
6. Matra |
7. Matra |
8. Matra |
0 Leer (KALI
bzw. KALI-Vibhag)
| 9. Matra |
10. Matra |
11. Matra |
12. Matra |
3
3. Betonung (TALI bzw.
TALI-Vibhag)
| 13. Matra |
14. Matra |
15. Matra |
16.
Matra |
|
Zu jedem Tala gehört eine Standardkomposition, diese wird Theka
genannt, die aus Trommelsilben besteht und mit der Anordnung von
Matra und Vibhag bzw. Sam, Tali und Khali übereinstimmt. Die
sprechbaren Trommelsilben mit deren Hilfe z.B. ein Theka notiert wird, werden
Bol (sprechen, das Gesprochene) genannt. Jeder Tal besitzt einen
individuellen Namen, unter dem er bekannt ist - und seinen eigenen Charakter.
Jeder Tala ruft eine bestimmte Art des Zeitbewusstseins hervor. Tala
gilt als Hauptschlüssel zum Verstehen der rhythmischen Struktur der indischen
Musik.
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Theka Beispiele:
T h e k a i n T e e n t a l
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DHA |
DHIN |
DHIN |
NA |
DHA |
DHIN |
DHIN |
NA |
DHA |
TIN |
TIN |
NA |
TA |
DHIN |
DHIN |
NA |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
12 |
13 |
14 |
15 |
16 |
Beschreibung: Der Theka in
Teental ist ein 16/4-Rhythmus und beinhaltet somit
16 Zähleinheiten (Matra). Diese sind in 4 Teile (Vibhag) (X,
2, 0, 3) unterteilet, wobei jeder Teil 4 Matra beansprucht. Die
Bolas (DHA DHIN DHIN NA .... ) bezeichnen die Trommelsilben der Standardform
des Theka in Teental.
T h e k a i n E k t a l
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DHIN ' -- |
DHIN ' -- |
DHA ' GE |
TIRE'KITE |
TU ' -- |
NA ' -- |
KA ' -- |
TIN ' -- |
DHA ' GE |
TIRE'KITE
|
DHIN ' -- |
NA ' -- |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11 |
12 |
Beschreibung: Der Theka in
Ektal ist ein 12/4-Rhythmus und beinhaltet
somit 12 Zähleinheiten
(Matra). Diese sind in 4 Teile (Vibhag X, 0, 2, 3)
unterteilet, wobei X 4 Matra,
0 4 Matra, 2
2 Matra und
3 2 Matra in Anspruch nehmen. Die Bolas (DHIN - DHIN -
DHA GE TIRE KITE .... ) bezeichnen die Trommelsilben der Standardform des
Theka in Ektal..
T h e k a i n J h a p t
a l
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DHIN |
NA |
DHIN |
DHIN |
NA |
TIN |
NA |
DHIN |
DHIN |
NA |
Beschreibung: Der Theka in
Jhaptal ist ein 10/4-Rhythmus und beinhaltet somit
10 Zähleinheiten (Matra). Diese sind in 4 Teile (Vibhag
X, 2, 0, 3) unterteilet, wobei
X 2 Matra, 2
3 Matra, 0 2 Matra und
3 3 Matra in Anspruch nehmen.
Die Bolas (DHIN NA
DHIN DHIN NA .... ) bezeichnen die Trommelsilben der Standardform
des Theka in Jhaptal.
T h e k a i n R o o p a
k t a l
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TIN |
TIN |
NA |
DHIN |
NA |
DHIN |
NA |
Beschreibung: Der Theka in
Roopaktal ist ein 7/4-Rhythmus und beinhaltet somit
7 Zähleinheiten (Matra). Diese sind in 3 Teile (Vibhag 0,
1, 2) unterteilet,
0 3 Matra, 1
2 Matra und 2 2 Matra in Anspruch nehmen.
Die Bolas (TIN TIN
NA .... ) bezeichnen die Trommelsilben der Standardform des Theka in
Roopaktal.
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