Geschichte der Ajrada-Gharana
© 2002 by Indische Tabla-Schule,
Peter Huber
Die
Brüder Kallu und Miru Khan aus Ajrada, angeblich Schüler des Bugara Khan,
eines Sohnes von Sudhar Khan (Delhi-Gharana), sowie von Sitab Khan
(Delhi-Gharana) sind als Gründer des Ajrada-Ghrarana bekannt.
Der Ajrada-Gharana könnte auf den ersten Blick eine Abart des Delhi-Gharana
bezeichnet werden – war es vielleicht zu Beginn, doch bei genauem hinhören von Habibuddin Khan wird spätestens klar, dass dies weit entfernt
vielleicht einmal
zutraf. Nur diejenigen die Wissen welche Lehrer Habibuddin besuchte und dessen
Kompositionen bzw. dessen Repertoire kennen werden verstehen, warum Habibuddin nicht ausschliesslich
einen reinen Ajrada-Stil gespielt hat. Leider lassen sich kaum
Vergleiche anstellen, da die einzigen und letzten Klangdokumente dieses Stils
von Habibuddin Khan stammen, er gilt bis heute leider als der letzte Vertreter
dieses Gharanas.
Neben der typischen Vorliebe des Delhi-Gharana für Klarheit und Anschläge an
Kinar, verwendet dieser Stil ein weit grösseres Klangspektrum wie an
Dayan (rechte Trommel) als auch an der Bayan (linke Trommel).
Die bevorzugte Kompositionsarten dieses Stils sind wie beim Delhi-Stil:
Peshkar, Kaida und Rela.
Ein besonderer Genuss dieses Stils sind deren Kaidas, diese gelten als
besonders erwähnenswert in der Kunst des Tabla-Spiels – eine wahre Delikatesse
für Feinschmecker. Ajrada-Kaidas zeichnen sich durch eine Grazie und Schönheit
aus, die bei anderen Tabla-Stilen unerreicht geblieben ist.
Als besondere klangliche Merkmale dieses Stils gelten die Phrasen: „GHE NA“
und „GHE GE“, „DHA GE NA“ und „DHA GE NE“, sowie „DHI NE“ und „DHINE DHINA“
usw.
Seit dem Tod von Ustad Habibuddin Khan am 19. Juli 1972 ist es ruhig um diesen ausserordentlich
klangvollen Stil geworden. Als weitere Mitglieder sind Hazmat Khan und Ramzan
Khan bekannt, beide Schüler des legendären Habibuddin Khan, doch diese lassen
nichts mehr des einstigen Glanz dieses Stils hören.